Die Bauwirtschaft steht vor tiefgreifenden Herausforderungen mit Fachkräftemangel, steigenden Kosten und dem wachsenden Druck, nachhaltige Lösungen zu implementieren. All das verlangt nach neuen Ansätzen. Startups spielen hierbei eine entscheidende Rolle, indem sie Innovationen und Technologien vorantreiben, die der Bauwirtschaft zu neuem Glanz verhelfen. Beim Kamingespräch zwischen Frau Dr. Anna Christmann, MdB und Beauftragte des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) für die digitale Wirtschaft und Startups, und Roland Riethmüller, dem Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbands Digitales Bauwesen e.V. (BDBau), im Rahmen der Innovationsmesse TECH IN CONSTRUCTION 2024 im Mai 2024 in Berlin wurden zentrale Maßnahmen und Strategien zur Förderung von Startups und deren Integration in die Bauwirtschaft diskutiert.
Die Bedeutung von Startups in der Bauwirtschaft
Startups sind der Treiber für Innovation und Wandel, gerade in traditionellen Branchen wie der Bauwirtschaft. Die Bundesregierung hat die zentrale Rolle von Startups erkannt und mit der Startup-Strategie einen umfassenden Rahmen geschaffen, um diese zu unterstützen. Diese Strategie umfasst Finanzierungsinstrumente, Netzwerke und Initiativen, die Startups helfen sollen, ihre Technologien und Lösungen schneller in die Praxis umzusetzen. Besonders im Baubereich, wo Digitalisierung, neue Materialien und automatisierte Prozesse immer wichtiger werden, können Startups bedeutende Impulse setzen.
Finanzierung und der DeepTech Climate Fund
Ein zentraler Baustein der Startup-Strategie ist der eine Milliarde Euro schwere DeepTech Climate Fund. Dieser staatliche Fonds investiert gezielt in nachhaltige Technologien, insbesondere in den Bereichen Hardware und Klimatechnologien. Das Ziel besteht vor allem darin, privates Kapital zu mobilisieren und innovative Startups in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Der Fonds richtet sich an Unternehmen, die innovative Ansätze verfolgen, um die Klimaziele zu erreichen – ein wichtiger Aspekt auch für die Bauwirtschaft, die einen erheblichen Anteil an den globalen CO2-Emissionen hat.
Netzwerke und Digital Hubs
Um Startups mit traditionellen Unternehmen und öffentlichen Institutionen zu vernetzen, hat die Bundesregierung 12 Digital Hubs in Deutschland etabliert. Diese dienen als Plattformen für Wissens- und Technologietransfer und bieten sektorspezifische Unterstützung. Roland Riethmüller hält eine stärkere Integration der baurelevanten Startups in diese Netzwerke für gewinnbringend: „Wir müssen sicherstellen, dass auch ConTech – Construction Technology – als eigenständiges Thema in den Digital Hubs verankert wird.“ Die aktuelle Bewerbungsrunde für neue Hubs bietet eine Möglichkeit, diesen Schwerpunkt zu setzen.
Startup Factories: Wissenschaft und Praxis verbinden
Eine weitere Initiative, die im Rahmen der TECH IN CONSTRUCTION hervorgehoben wurde, sind die sogenannten „Startup Factories“. Ziel dieser Wettbewerbe ist es, Technologien aus der Wissenschaft in die Wirtschaft zu überführen. Universitäten und Forschungseinrichtungen spielen dabei eine entscheidende Rolle, um innovative Ideen in marktfähige Produkte zu verwandeln. Besonders für die Bauwirtschaft, die auf innovative Materialien und Produktionsmethoden angewiesen ist, bietet dieser Ansatz großes Potenzial.
Öffentliche Vergaben: Chancen für Startups
Ein häufig genanntes Hindernis für Startups ist der Zugang zu öffentlichen Projekten. Das geplante Vergabetransformationspaket soll diese Hürden abbauen, indem es Direktvergaben bis zu bestimmten Beträgen ermöglicht und kulturelle Vorbehalte in Vergabestellen adressiert. Die öffentliche Hand sollte Startups als wichtige Innovationspartner sehen und dabei verstärkt als Ankerkunde auftreten. Plattformen wie der Co-Innovationsplatz erleichtern zudem den Kontakt zwischen Startups und öffentlichen Auftraggebern.
Innovationspotenziale in der Bauwirtschaft
Die Bauwirtschaft hat ein enormes Potenzial für Innovationen. Beispiele reichen von digitalen Planungs- und Bauprozessen – etwa durch Building Information Modeling (BIM) – über nachhaltige Materialien bis hin zu automatisierten Fertigungstechnologien wie 3D-Druck und Robotik. Herr Riethmüller betont, dass die Zusammenarbeit zwischen etablierten Bauunternehmen und Startups entscheidend sei, um diese Technologien flächendeckend einzusetzen: „Wir müssen eine Kultur der Offenheit fördern, in der beide Seiten voneinander lernen und profitieren.“
Herausforderungen für Startups
Trotz der vielfältigen Fördermöglichkeiten stehen Startups weiterhin vor großen Herausforderungen. Neben der Finanzierung sind es vor allem bürokratische Hürden, kulturelle Vorbehalte und der Zugang zu Talenten, die die Entwicklung hemmen. Frau Dr. Christmann hob hervor, dass die Bundesregierung daran arbeite, diese Hindernisse abzubauen. Ein wichtiger Schritt sei die Vereinfachung von Verwaltungsprozessen und die Stärkung von Netzwerken, um Startups den Zugang zu Kunden und Investoren zu erleichtern.
Fazit und Ausblick
Die TECH IN CONSTRUCTION 2024 hat gezeigt, dass Startups eine zentrale Rolle in der Transformation der Bauwirtschaft spielen. Die Bundesregierung und Verbände wie der BDBau setzen auf eine Kombination aus finanzieller Unterstützung, Netzwerken und rechtlichen Erleichterungen, um Startups zu fördern. Doch es braucht auch einen Kulturwandel, insbesondere in traditionellen Branchen wie der Bauwirtschaft. Mit den richtigen Maßnahmen können Startups nicht nur die Bauwirtschaft, sondern die gesamte deutsche Wirtschaft nachhaltig transformieren. Veranstaltungen wie die TECH IN CONSTRUCTION sind dabei wichtige Plattformen, um den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Startups zu fördern und gemeinsame Lösungen zu entwickeln.